BJ Nilsen & Stilluppsteypa
Big Shadow Montana
LP HMS 020


Titel Magazine
May 2011

    Man ist fast gezwungen, den Pressetext hinzuzuziehen, so dringend steht die Frage im Raum, was eigentlich die Idee hinter diesem ganzen Album ist. Der erklärt in den buntesten Farben, worauf die drei Isländer eigentlich hinaus wollen. Oder, naja, er reiht eine Menge hübscher Worte aneinander, von denen man bis auf »happily drunk escapades« beim Hören keine so recht bestätigt finden kann. Bretons surrealistisches Manifest wird zur Hilfe gerufen – welches eigentlich, da gab’s doch mehr als eines? Ein paar Bands werden ebenso heraufbeschworen wie Nixen und Wikinger und wird alles an halb-intellektuellen, sinnüberladenen Adjektiven aufs Papier geschmissen, was sich nur im Thesaurus finden lässt. »absurdist«, »metaphysical« oder »lugubrious« allerdings hört sich die Platte dann letztlich doch wenig an. Eigentlich jedoch stellt der unsinnige Pressetext eine perfekte Analogie zu Big Shadow Montana dar. Das Album hangelt sich ebenso von Drone zu Soundscape wie der Pressetext von Adjektiv zu Namedropping und bleibt dabei genauso belang- und aussagelos. Einer zeitgenössischen Band Strukturlosigkeit vorzuwerfen ist natürlich ungefähr so erzkonservativ wie Cordjacketts mit Ellbogenflecken. Aber wenn diese allerdings aus einem offenkundigen Mangel an Konzeption resultiert, dann kann man sich es durchaus erlauben, das zu bekritteln; sieht man sich doch mit Musik konfrontiert, die weder Hand noch Fuß noch künstlerische Qualität hat. Andererseits ist es kaum möglich, sich ernsthaft mit diesen 40 Minuten zwischen Stille und Kakophonie auseinanderzusetzen – dazu müssten die beiden Tracks schließlich so oberflächlich interessant sein, dass man nach mehr als zwei Minuten noch hinhört. --Kristoffer Cornils.