Richard Garet
60' Cassette
Casette HMS031


Bad Alchemy
Summer 2015

Was ist los mit Musik? Sie verkriecht sich in Museen, sie gefällt sich als Zombie, sie regrediert auf überholte Medien wie Vinyl oder Kassette. Sind das Überlebensstrategien? Als Klassiker, als Kultobjekt, als Sammlerstück mit fetischistischem oder nostalgischem Anstrich? 60' Cassette (HMS 031, C60) von RICHARD GARET setzt die mit From The Mouths Of Clay (HMS029) und Scarlet (HMS030) gestartete Reihe mit in Brauntönen designten Kassetten fort. Mit dem Audiokannibalismus des Mediums selbst, insofern dass Garet das Rauschen von leeren, überspielten oder entmagnetisierten Kassetten recyclet und als Palimpsest von sich selber zehren lässt. Er erzielt damit ein Dröhnen, Furzeln, Surren, Knacksen, es prasselt wie gestörter Funkverkehr, rumpelt wie eine holprig aufgesetzte Vinylnadel, flattert wie eine gerissene Filmspule. Es entsteht so, als weiterer konzeptioneller Beitrag zum Youdonthavetocallitmusic-Segment eine medientechnische Grauzone, in der unter der digitalen Oberfläche ältere Schichten und Sedimente durchklingen, industrialer Noise, grobkörnig altmodische Kommunikation, Drecksarbeit mit Bagger oder Staubsauger. Vielleicht um daran zu erinnern, dass Dreck häufiger ist als Nichtdreck und dass Störungsfreiheit und Ungestörtheit seltener sind als die seltensten Erden. Garet lässt es hageln, schüttet einem Kies vor die Füße und überhaupt Sand ins allgemeine Getriebe. Es kracht, pfeift und dröhnt wie beim Containerverladen oder wie beim Verbreitern der A3, auch wenn da nur Mücken zu Elefanten aufgeblasen werden.