Junkie Flamingos
Lemegeton Party
LP HMS 051


Artnoir

May 2019

Die Treppe auf dem Cover führt hinab, tief in die dunklen Kammern und zwischen kahlen Betonflächen. In der Ferne wummert ein Bass, neben dir rauschen verzerrte Frequenzen. Lemegeton Party ist kein Fest, an das man schick herausgeputzt und freudenstrahlend erscheint, hier werden Isolation und Verzweiflung begünstigt. Aber wer sein Album nach einem dämonischen Zauberbuch des 17. Jahrhunderts benennt, der hat dunkle Ziele. Wie auch die drei Musikerinnen und Musiker von Junkie Flamingos.

Alice Kundalini flüstert Texte, welche von Friedrich Hölderlins Buch Hyperion inspiriert wurden, leise, beschwörend, mysteriös. Genau wie auch die Musik von Luca Sigurtà und Daniele Delogu, denn die elektronischen Klangflächen legen sich langsam um die Takte, sind nie aufbrausend und geistern wie Nebelschwaden durch die Nacht. Junkie Flamingos haben eine okkulte Version von Ambient-Industrial gezüchtet, welche in gewissen Momenten so furchteinflössend wie die Spätphase von Coil wirkt. Reduziert, unmenschlich und kalt – "The Language Of Slaves" in dystopischer Umgebung.

Wenn "Evening Of Our Days" mit knisternden Frequenzen und langsamen Beats das Album eröffnet, dann wird klar: Dieser schleppenden Vernichtung kann man nicht ausweichen. Die Musik von Junkie Flamingos ist zwar leise und zurückhaltend, in ihrer Wirkung dafür umso intensiver und gnadenloser. Mit gutem Fluss und vielen versteckten Botschaften wird eine Geschichte aufgezogen, die zeitlos umherschwebt. Nur alleine sollte man wohl nicht an die Lemegeton Party gehen.