Jim
Haynes
Telegraphy By The Sea
CD HMS 009
Bad Alchemy
January, 2007
Sound- & Sight-Künstler, Hauptagent der Helen Scarsdale Agency
& Outer-Limits-Autor für The Wire ist zusammen mit
Loren Chasse als Coelacanth aktiv. Bei der Agency ist 2006 schon
The Sleeping Moustache erschienen, seine surreale Kollaborationmit
Steven Stapleton & S. Berg Sigmarsson etc. Dem folgt nun Telegraphy
By The Sea (HMS009), ein 55:55-Klangbogen von dröhnminimalistischer
Erhabenheit. Denn er enthält wie gebündelt einen brausenden
Funkenregen aus Klangsplittern. Mahlend, sirrend, klickernd, verdichten
sich unzählige Moleküle zu einer gigantischen Luftschlange,
die nach 18, 19 Minuten als Halteton in der Luft erstarrt, als stehender,
ausgedünnter Drone. Allmählich wächst aber das Volumen
wieder, das Pfeifen beginnt wieder vibrierend aufzuschäumen,
metalloid zu beben und schimmernd zu rumoren. Wie vollgesaugt mit
industrialen, elektrischen und atmosphärischen Emanationen und
Turbulenzen. Erst nach gut einer halben Stunde ist die rumorende Schlange
fast wieder auf ihre anfängliche Stärke angeschwollen. Ein
Gemisch aus Starkregen oder Hagel und elektrischem Prasseln, das sich
durch die Nacht bohrt, knirschend, voller metallischer Reibungen,
Knacksen und Sirren. Ein saurer Lärmniederschlag, bruitistischer
Low-Fidelity-Smog, der sich nach 40 Minuten noch einmal aufbrausend
verdichtet und dann umbricht in ein leichteres Gedröhn, durchsetzt
mit Fetzen von verzerrten Radio- oder Funkstimmen. Das bildet den
Rundumhorizont für die letzte Viertelstunde, während der
man in die Dunkelheit starrt und die Pferdedecke enger um die Schultern
zieht. |
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